1. Etappe Ruhpolding - St. Ulrich am Pillersee
Die erste Etappe haben wir heute hinter uns gebracht…37km, 1300hm. Hört sich nicht so schlimm an, allerdings bis man seinen Tritt findet und es dann wirklich mal bergauf geht…erst mal mussten wir ca. 11km nur geradeaus an einem Fluss entlang laufen, ständig im Kopf, nur nicht zu schnell anzugehn. Das Wetter war anfangs eigentlich perfekt, im Laufe der Etappe wurde es uns aber dann doch zu warm. Ich denk es hatte gut über 30 Grad, als wir gegen Ende Richtung St. Ullrich - wiederum am See entlang - Richtung Ziel trabten. Das war natürlich äußerst gemein; ich denke wir wären beide gerne `reingesprungen. Gesamt waren wir 4:36 Std. unterwegs, was für unser Anfangstempo absolut ok ist. Das reichte am ersten Tag für Platz 90 von über 240 Teams, Platz 33 von 67 teilnehmenden Teams in unserer Klasse (allerdings kommt`s ab morgen - Königsetappe - darauf nicht an). Den anderen uns bekannten Teams (Rainer, Bernhard, Gitti, Andrea, Manne, Albert…) ging`s auch recht ordentlich, v.a. sind alle die wir kennen gesund im Ziel angekommen. Wir denken auch dass am ersten Tag nichts Ernstes passiert ist, allerdings gab es bereits nach wenigen km den ersten Sturz und ein Teilnehmer hatte - vermutlich wegen der Hitze - Kreislaufprobleme beim bergab laufen.
Jetzt heißt`s für uns natürlich Kalorien tanken und möglicht gut regenerieren; morgen wird der Tag wohl etwas länger dauern. Ob`s morgen wieder klappt mit unserm “Tagebucheintrag” hängt davon ab, ob wir irgendwie ans Internet kommen.
Weitere Infos gibt`s natürlich unter www.transalpine-run.de und unter www.4-seasons.tv findet ihr tägliche Video-Rennberichte.
Fotos folgen natürlich sobald wie möglich. In diesem Sinne…
…welcome to the house of pain!
2. Etappe St. Ullrich - Mittersill
Leck mich am Arsch… 50 km, knapp 3000hm - 8:28 Std., Platz 27, soweit das Wichtigste. Eigentlich hieß es, dass es heute zwar hart werden wird, aber uns wurde weißgemacht, dass nach den beiden ersten Anstiegen, das schlimmste geschafft sei. Dem war nicht so. Wir haben uns die Kräfte richtig eingeteilt, und wir wollten am Schlußanstieg eigentlich angreifen, allerdings waren die Sieger zu diesem Zeitpunkt schon im Ziel, hatten geduscht und gegessen. Also morgen…
Spaß beiseite - es war bei Gott kein Zuckerschlecken. Es war wieder brutal heiß, selbst auf über 2000m Höhe. Eine gigantische Bergwelt, eine super Strecke, aber der Vortag, auch wenn er nicht soooo anstrengend war, steckte doch in den Beinen, vor allem hinten raus, denn es ging 1500hm runter - auf 8km. Diese km letzten taten wirklich weh. Jetzt heißt’s viel essen, regenerieren und abratzen, denn morgen um 6 wird uns der Wecker wieder aus den Federn holen.
3. Etappe Mittersill - Neukirchen am Großvenediger
“Ruhetag” - davon sprach der Streckenchef. Ruhetag hieß 27 km und 1500 hm. Die Nacht hatten wir schlecht geschlafen, denn unsere Unterkunft lag 10 Meter neben der Hauptstraße in Neukirchen. Heute war am Start vor dem Rescue-Zelt die Hölle los. Es sah aus wie in einem Lazarett im Krieg. Die Läufer ließen sich verbinden, Tape und Blasenpflaster anbringen. Unsere Taktik lt. “das Feld von hinten aufrollen” Wir waren das vorletzte Team in der Startaufstellung. Nach dem Start ging es ca. 10 ätzende km auf einer Teerstraße entlang. Wir liefen einen 5:30 Schnitt, was sich jetzt nicht so schnell anhört, aber mit Stöcken in der Hand und einem 4kg Rucksack auf dem Rücken war das für uns ganz zügig. Nun ging es 1500hm am Stück auf den 2224m hohen Wildkogel. Durch den Wald hindurch war es wieder brutal warm und nach den harten km auf der Teerstraße bog es uns die Waden und Achillessehnen ganz schön auf. Ich konnte Jox’ Tempo bergauf nicht mitgehen. Unterhalb des Gipfels wurden wir von einem Hubschrauber begleitet, der 20 Meter über unseren Köpfen Filmaufnahmen machte. Es folgte der gleiche harte Abstieg wie am Vortag und jetzt kamen noch Knieprobleme hinzu. Ich hatte die Schuhe gewechselt, da ich am Vortag ganz schön Blasen bekommen habe. Ich werde mich für den nächsten Tag entscheiden müssen zw. Knieschmerzen oder Blasen - ich wähle die Blasen. Nach 4:03 Std. waren wir als 28. im Ziel. Jox’ kleiner Zehen sieht brutal aus, rohes Fleisch ohne Nagel. In einem Sportgeschäft hat er sich neue Schuhe gekauft - eine Nummer größer. Die Pasta- Party am Abend haben wir nicht wie geplant auf dem Wildkogel verbracht, sondern sind mit den beiden Orthomol-Teams und dem Team “Allgäuer Anzeigenblatt” zum Pizza-Essen im Tal.
4. Etappe Neukirchen - Prettau
Für die heutige Etappe 46km, 2000hm war durchwachsenes Wetter angesagt. Da wir doch recht hoch kamen (2600m), wurde beim Einchecken in die Startaufstellung stark kontrolliert, ob man die richtige Kleidung im Rucksack hat. Die ersten 8km gings über Asphalt- und Wanderwege bevor wir in den Naturpark “Hohe Tauern” kamen. An den Krimmler Wasserfällen vorbei liefen wir anschl. 10 km durch ein tolles Tal wo das erste mal so richtig alpines Feeling aufkam. Ab km 28 gings in den Aufstieg zur 2669m hohen Birnlücke. Die letzten 200hm wurde es sehr wolkig und richtig frisch mit starken Wind. Hier wurden wir angehalten lange, warme Kleidung anzuziehen. Auf dem Gipfel empfing uns der Streckenchef und schickte uns sofort nahezu senkrecht runter ins Tal. Beide sehnten wir uns nach einem Cola. Nach ca. einer halben Stunde, kamen wir an der “Kehrer Alm” vorbei. Ich war vor Jox da, und bestellte dort zwei Gläser davon. Eine Minute später stürzte Jox an mir vorbei, ohne ein Wort gleich in die Hütte rein und rief dem Wirt zu: “Acht Cola!” ??? Die Bedienung brachte mir zwei Gläser raus, ich trank eines, plötzlich kam Jox wieder raus mit einem Teller und zwei Stück Apfelstrudel drauf. ??? Ich konnte doch jetzt keinen Apfelstrudel essen. Was solls, tats eben er. Während ich nochmal reinging und nochmal zwei Cola bestellte, (die acht hatte er nicht mitgebracht) vertilgte er allein die zwei Stück Apfelstrudel, spülte das zweite Glas Cola hinterher und ab ins Tal. Es ging über steile Stufen, die wie Treppen angeordnet waren bis in das 500-Einwohner Dörflein Prettau. Nach 6:30 Std. liefen wir als 29. über die Ziellinie. Die Pasta-Party fand in einem Zelt statt und es war sehr kalt. Es wurde ein kurzer Abend und wir gingen früh zu Bett.
5. Etappe Prettau - Sand in Taufers
Heute konnten wir ausschlafen - bis 6 Uhr. Es wurde die übelste Etappe, von der Strecke her. Es gab einen sog. kontrollierten Start aus dem Ort raus, die Teerstraße runter hinter einem Polizeiauto her, das nicht überholt werden durfte. Der Verkehr wurde teilweise angehalten und so liefen wir hinter stinkenden Lkw’s in Tunnels her. Die ersten 22 km liefen fast nur auf Asphalt. Prettau und Sand in Taufers liegen in einem engen Tal nur ungefähr 25 km auseinander. Damit man auf die heutige Strecke von 36 km und 1500hm kommt, schickten sie uns überflüssig seitlich einen Berg hoch zu einer Verpflegungsstelle und dann wieder runter auf die Hauptstraße. Wir redeten an diesem Tag nicht viel miteinander, da wir beide stinksauer waren. Da kann man auch einen Stadtmarathon laufen. Nach 25 km ging es steil bergauf. 1000hm auf 5 km. Wenns ganz steil wird sind wir gar nicht so schlecht, doch bergab werden wir von einigen Teams wieder eingeholt. Das ist nicht unsere Stärke. Bei der Gipfelverpflegung auf dem Speikboden haben wir beide unseren Frust abgelassen. Hier haben wir nun erfahren, dass vor kurzem eine Mure abging, daher mußte man die ursprünglich geplante Strecke abändern. Also gut, verziehen. Es ging nun 8km bergab über weichen Waldboden bis ins Ziel. Hier lief es ganz gut, obwohl ich (Bernd) mich heute das erste Mal auf dem Boden ablegte, als ich auf einem nassen Fels ausrutschte. Wir hatten mit einer Zeit von 4:30 Std. gerechnet, es wurden 4:51 Std. - auch ok - Platz 33 am heutigen Tag. Im Ziel empfing uns prächtiger Sonnenschein und - Hans Kammerlander der Extrembergsteiger, der dort wohnhaft ist. Viel geholfen hats uns aber auch nicht.
6. Etappe Sand in Taufers - Antholz
Das Ziel der heutigen Strecke war die Biathlon-Hochburg Antholz. 25 km und 2000hm im Anstieg. Wieder 9km Teerstraße in Serpentinen aufwärts. Wieder die Achillessehnen- und Wadenschmerzen. Wir wissen nicht, ob nur wir die Probleme haben oder ob es den anderen auch so geht. Es ist kühl heute, aber wir sparen uns die warmen Klamotten für oben, denn wir kommen heute zum höchsten Punkt des Rennens zur Riesenferner Hütte auf knapp 2800m Höhe. Nach der ersten Verpflegung gehts in einen Wald rein und nun nur noch bergauf. 1200hm auf 8km. Es geht über schöne, allerdings sehr feuchte Trails immer an einem Gebirgsfluss entlang. Die letzten 800hm werden noch steiler und wir müssen durch die Wolken durch und es wird richtig kalt. Der Veranstalter hat damit gerechnet, dass die Etappe evtl. wegen schlechten Wetter am Gipfel abgebrochen werden muss, daher konnte man vor dem Start Wechselklamotten abgeben, falls es so Eintreffen sollte. In den Geröllfelder flossen kreuz und quer kleinere Bäche, so dass man gar keinen richtigen Weg erkennen konnte und auch aufpassen mußte keine nassen Füße zu kriegen. Kurz dem Gipfel wurde es wirklich saukalt und links und rechts von uns waren kleinere Gletscher. Der Abstieg wurde von dem Rennleiter als “Gefährliche Passage” eingestuft, deswegen durfte man auf den ersten 800 Metern des Abstiegs nicht rennen und auch nicht überholen. Am Abend sahen wir beim Video des Tages, dass man diesen Teil der Strecke sehr wohl rennen konnte (auch wenn man es nicht durfte) Ein Venezuelaner tänzelte diese Passage, dass es eine wahre Freude war. Es gab aber auch Läufer die ihre “alpine Erfahrung” anscheinend zu blauäugig einschätzten und hier auf allen Vieren rückwärts runterkrabbelten. Der untere Teil der Etappe war relativ easy und so kamen wir als 33. in 4:48 Std. eigentlich ganz locker in Antholz an.
7. Etappe Antholz - Niederdorf
Heute schloß sich uns beiden Gitti Schiebel an. Sie startete für das Orthomol Team I zusammen mit ihrer Partnerin Alex Hagspiel. Die beiden lagen in den ersten Tagen ganz vorn mit dabei, jedoch verletzte sich Alex am Knie, so dass sie die 4. Etappe nicht mehr antreten konnte. Gitti lief die 5. und 6. mit dem 2. Team von Orthomol und an der 7. eben mit uns. Die ersten Kilometer aus Antholz raus legte Jox ein brutales Tempo vor, dass sogar Gitti einen Gang zurückschalten mußte. Die 7. Etappe (42 km und 2800hm) sollte noch einmal eine Hammeretappe werden, diese wurde aber um den 2. harten Anstieg (800hm) verkürzt, angeblich weil in der zweiten Tageshälfte mit schlechtem Wetter zu rechnen war. Der eigentliche Grund aber war, dass bis zu diesem Zeitpunkt schon über 70 Teams aus der Wertung geflogen sind und dass nach dieser Tour mit weiteren Ausfällen zu rechnen war. So wurden es eben diese 800hm und ca. 8 km weniger. Wir liefen also etwas langsamer, allerdings machte Gitti nun das Tempo am ersten Anstieg. 1200hm auf 8 km und mit dieser Pace hatten wir beide zu kämpfen. Nach dem Anstieg wieder 1200hm runter. Dieser Abstieg war etwas flacher und führte über einen breiten Schotterweg. Hier konnten wir richtig Zeit gutmachen. Da uns eben der zweite Anstieg erspart geblieben ist, fiel diese Etappe nicht ganz so hart aus. Gitti haben wir es zu verdanken, dass wir an diesem Tag mit Platz 26 und 4:30 Std. unser bestes Tagesresultat erreicht haben. Wir waren über eine Stunde schneller, als wir es geplant hatten. Danke nochmals, Gitti…
8. Etappe Niederdorf - Sexten
Obwohl die ersten, leicht ansteigenden Anfangskilometer mal wieder langweilig waren, gings nach der ersten Verpflegung dann gleich zur Sache. 1200hm auf 5km am Stück hoch zur 2500m hohen Lückscharte. Die letzten Höhenmeter waren wie in einer anderen Welt. Es ging im Zick-Zack über riesige Schotterfelder. Jox kämpfte sich über diesen Aufstieg ohne seine Stöcke, die er der Babsi (aus dem Allgäuer Damen-Team auf Rang 3) lieh, die an diesem Tag große Probleme hatte.
Nach dem Aufstieg folgte sofort ein 600hm Abstieg und dann gleich wieder 600hm rauf über das Gwengalpenjoch zur Drei-Zinnen-Hütte. Diese Strecke über ca. 7km zog sich unendlich hin, zumal man die Drei-Zinnen-Hütte schon von weitem sehen konnte, sie aber nicht näher kam. Diese Hütte war glaube ich für alle das Ende der Tortur. Es war eine gigantische Bergwelt und jetzt wußten wir auch, es geht nur noch 11km runter bis ins Ziel. Runter ohne Anstieg. An der Drei-Zinnen-Hütte empfingen uns Jox’ Eltern, Homepage-Photo, kein Apfelstrudel, kein Cola (die Schlange am Tresen war zu lang) und los Richtung Ziel. Bei diesem Abstieg hat sich Jox eine Verletzung am Oberschenkel zugezogen, denn diesen Weg mußten wir schon gemächlich angehen. An der Talschlußhütte gabs dann doch noch das ersehnte Cola und diese letzten 6km bis ins Ziel absolvierten wir meist gehend bis zum Zielstrich.
Wir waren noch nicht richtig über der Ziellinie, da flogen schon Jox’ Schuhe von seinen Füßen und meine Stecken in die Ecke. Wir hattens geschafft! Wir waren da! Die letzten 34 km und 2200hm hatten wir auch noch mehr oder weniger gut überstanden. Im Ziel gabs diesmal kein alkoholfreies Bier, sondern Richtiges, Wein, Sekt und für manche auch ein Zigarettchen. Die Pasta-Party mußte einem gegrilltem Ochsen weichen und nach der Siegerehrung und der Übergabe der Finisher-Shirts feierten einige bis um drei in der Früh.
Wie schrieb doch unser “Laufdepp” Stefan ins Gästebuch:
“Eine geile Woche - aus der Traum - ein Jahr Vorfreude :-) So isses…
